Über das ZEG

Was ist das ZEGBeispiel Quelle2

Das “Zentrum für Erinnerungskultur und Geschichtsforschung” (ZEG) versteht sich als Nahtstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Auf der Basis von wissenschaftlicher Forschung tritt es mit der Öffentlichkeit in Kontakt, um einerseits die Forschungsergebnisse auch außerhalb des universitären Bereichs zu vermitteln und andererseits die Öffentlichkeit in den Forschungsprozess einzubinden. Die räumliche und inhaltliche Nähe zum Institut für Geschichtswissenschaften und Ethnologie der Universität Innsbruck gewährleistet den Austausch in beide Richtungen.

Gründung des ZEG im Jahr 2005

Aus einer Nachlassschenkung von Viktor und Edith Schemfil ging der „Forschungsunterstützungsverein Schemfil“ (FUS) hervor, auf dessen Basis am 1. März 2005 das ZEG ins Leben gerufen wurde.

Aufgabenbereiche

    • Durchführung von geschichtswissenschaftlichen Projekten
    • Sammlung und Erschließung von Vor- und Nachlässen
    • Wissenschaftliche Beratung von Ausstellungen,
    • Museums- und Archivkonzepten
    • Vorträge
    • Organisation von Tagungen und Workshops

Erinnerungskultur

Erinnerung an die Vergangenheit nimmt in jeder Gesellschaft eine wichtige Funktion ein, indem die Inszenierung von Erinnerung wesentlich zur Bildung von gegenwärtiger Identität beiträgt. Wie wird an vergangene Ereignisse erinnert, welche Denkmäler werden errichtet, welche Feiern abgehalten? Erinnerung meint aber mehr – es geht nicht nur um „große Ereignisse“, sondern auch um die Auseinandersetzung mit dem Alltagsleben vergangener Zeiten. Immer steht Erinnerung in aktuellem Zusammenhang mit der Gegenwart. Dieser Umgang mit Geschichte, Gedächtnis, Tradition und Erinnerung im Tiroler und angrenzenden Raum bildet eine der Säulen des ZEG.

Geschichtsforschung

Die Vor- und Nachlässe im ZEG stellen die Quellenbasis für Forschungsprojekte rund um die Lebenswelten des 19. und 20. Jahrhundert, um die Weltkriege und die Nachkriegszeiten dar. Durch die Edition von Tagebüchern und Briefwechsel sollen die Quellen zudem in wissenschaftlich-kritischer Form einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.


(Un-)belastetes Erbe?

Die pensionierte Ärztin und Seniorstudentin der Geschichte, Edith Schemfil, geboren 1915, verstarb 1994 ohne direkte Nachkommen und verfügte letztwillig, dass mit ihrer Hinterlassenschaft die Publikation eines nachgelassenen Manuskriptes ihres Vaters, des pensionierten Kaiserjäger- und Bundesheeroffiziers Viktor Schemfil, über die Militärgeschichte der sogenannten „Bergisel-Schlachten“ von 1809 finanziert werden solle. Es stellte sich jedoch heraus, dass die von ihr vorgesehene Stiftung dafür nicht das richtige Format war. Außerdem meldete ein Verwandter Ansprüche auf ein Pflichterbteil an. Der Nachlassverwalter und der Rechtsanwalt des zu akzeptierenden Pflichterben eröffneten einen Rechtsstreit über die Angelegenheit. Nach Ausbezahlung des Pflichtteiles wurde schließlich der Forschungsunterstützungsverein Schemfil (FUS) zur Erfüllung des Vermächtnisses und zur Verwaltung der verbleibenden Mittel gegründet – aus diesem ging, wie oben erwähnt, 2005 auch das ZEG hervor. Diese Regelung der Hinterlassenschaft zog sich über Jahre hin, eröffnete schließlich jedoch die erfreuliche Perspektive, dass nach der Publikation des Manuskriptes, die sehr viel mehr wissenschaftliche Nachbearbeitung und –recherche erforderte als ursprünglich gedacht, weiterhin genügend Mittel zur Unterstützung von (jungen) WissenschaftlerInnen zur Verfügung stehen würden, was dann auch entsprechend umgesetzt wurde.

Nach der jahrelangen Beschäftigung mit der Sicherung des Erbes und der Ermöglichung einer sinnvollen Verwendung, trat im Rahmen einer systematischen Archivierung der persönlichen Hinterlassenschaft von Edith Schemfil selbst auch die Person der Erblasserin in den Vordergrund: Aus Dokumenten in deren Nachlass und im Tiroler Landesarchiv ging hervor, dass sie, vorsichtig ausgedrückt, ein Naheverhältnis zum Nationalsozialismus hatte. Bei ihrem Vater gestaltet sich die Einschätzung schwieriger. Da sich die Mitglieder des Vereins einem verantwortungsvollen Umgang mit der Vergangenheit verpflichtet fühlen, laufen derzeit weitere Recherchen zu beiden. Die Ergebnisse werden in Form von biographischen Skizzen hier publiziert.