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Zur Planung eines Aufstandes oder Krieg
gehörte auch die entsprechende Finanzierung. Da die Bayern
die Kassen mit den Steuereinnahmen noch rechtzeitig außer
Landes bringen konnten, war die Organisation von
österreichischer Seite aus von Anfang an problematisch.
Die Tiroler Bevölkerung, die sich von den von
Bayern eingehobenen Steuern ausgebeutet fühlte, wertete den
Beginn des Aufstandes als Zeichen, dass sie dieser Abgaben
nun ledig sei. Weder Steuern noch Zölle wurden gezahlt.
Zudem war die wirtschaftliche Lage nach bereits über zehn
Jahren Krieg sehr schlecht, so dass das Land nicht fähig
war, aus eigenen Mitteln den Unterhalt der österreichischen
Truppen und die Maßnahmen zur Landesverteidigung zu
bezahlen.
Die Militärkasse war sehr bald erschöpft und
die meisten Kriegsgelder befanden sich bei Erzherzog Johann.
Man musste also Anleihen aufnehmen – bei der Stadt Lienz die Summe von 5.700 Gulden in schwerer Münze, bei den
Städten Trient und Rovereto, vor allem bei den reichen
Bürgern Bozens. Kleinere Darlehen gewährte die Firma Pietro
Fedrigotti in Rovereto und einige Innsbrucker Kaufleute,
darunter auch der Jude Jonas Nathan. Beglichen werden
sollten diese innerhalb kürzerer Frist durch Geld,
Überlassung von Salz oder Wechsel an die jüdischen
Kaufhäuser Arnsteiner und Eskeles in Wien. Die Gläubiger
bekamen ihr Geld jedoch nur zum Teil zurück. Am 12. Mai
kamen beispielsweise die Kaufleute Eyrl und Hepperger aus
Bozen nach Innsbruck und drangen nachdrücklich auf die
Zahlung von 102.000 Gulden, die sie bis zum Eintreffen der
Operationskassa vorgeschossen hatten.
Diese Anleihen waren schnell verbraucht und
Hormayr wandte sich ohne Erfolg an Erzherzog Johann, der
selbst kaum ausgestattet war. Die Stände, die üblicherweise
Steuern in der Bevölkerung eingetrieben hatten, gab es seit
1808 nicht mehr. So behalf sich Hormayr durch die
Einrichtung der Schutzdeputationen, die für die Verteidigung
zuständig sein sollten. Diese richteten nun eine Petition an
Kaiser Franz I. In der Tat wurde ihnen 200.000 Gulden
und etwas Munition gewährt. Aber auch das genügte nur für
kurze Zeit.
Die einzige dauerhafte Möglichkeit, zu Geld
zu kommen, lag in der Eintreibung von Steuern. Das nahm die Bevölkerung
jedoch sehr problematisch auf und Stimmen wurden laut, dass man dann ja gleich
bei Bayern hätte bleiben können. Wer die Steuerzahlung
verweigerte, dem wurde mit Verhaftung gedroht. Um diese
Pflicht etwas schmackhafter zu machen, kündigte Hormayr
einen nahen Landtag an, der wieder die alte Ordnung
herstellen würde. Schon im Vorgriff darauf trat er im Juli
1809 in Bozen mit einem Ausschuss der vier Stände in
Verbindung, um ein Darlehen von 300.000 Gulden auszuhandeln.
Hans von Voltelini unterstellt Hormayr dabei das Ziel, sich
selber aus der eigenen Schuldverantwortung zu lösen. (S.
165) Obwohl Hormayr im Juli noch nicht wissen konnte, was im
Oktober im Schönbrunner Friedensvertrag stehen würde, so sei
er doch als Beamter der Staatskanzlei genügend vertraut mit
internationalen Verträgen gewesen. Die Schuldenrückzahlung
wäre derjenigen Regierung zugefallen, die das Land
letztendlich bekam. Im Falle also, dass Österreich Tirol
wieder verlor, hätte Bayern für diese Schuld, die für den
Aufstand gegen die Bayern verwendet worden wäre, aufkommen
müssen. Aber auch dieser Versuch Hormayrs misslang, es kam
nur zur Zahlung einen Bruchteils des ausverhandelten
Darlehens und er griff wieder zum Mittel der Privatdarlehen.
Ellinor Forster
Quellen und Literatur
- [Joseph von Hormayr], Geschichte Andreas
Hofer's, Sandwirths aus Passeyr, Oberanführers der Tyroler
im Kriege von 1809, 2. Bd., 2. umgearb. u. verm. Aufl.,
Leipzig 1845.
- Hans von Voltelini, Forschungen und
Beiträge zur Geschichte des Tiroler Aufstandes im Jahre
1809, Gotha 1909.
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