|
Josef Daney berichtet davon in seinem
Tagebuch in einem Brief an seinen fiktiven Adressaten:
Als wir über die Innbrücke gegen
Mariahilf kamen, brach eine Kette, welche über unsere
Reisekoffer gespannt war. daher mußten wir anhalten, bis
ich in die Stadt zurücklaufen und stricke kaufen konnte.
Im Zurücklaufen hörte ich ein Kotlackler Weib zu einigen
Landstürmern sagen: „Secht’s, Mander! Wie man’s enk
macht; z’erst hab’n d’Herrn s’Land verkaft und enk a,
und itzt mach’n sie si durch mit’n Geld. Kuan fort
lass’n solltet’s.“ Kaum gesagt, war unsere Kutsche schon
von mehreren Bauern umringt. Einer sagte dem andern:
„Du, die hoba’s Land verkaft.“ Sie können nicht glauben,
welche mühe wir hatten, uns noch loszuwinden
undfortkommen zu können. Endlich, nach verschiedenen
Vorstellungen, ließen sie uns fahren und wir kamen, ohne
ferners angehalten zu werden, bis Zirl. Dort trafen wir
den Landsturm vom Ötztal und Oberinntal an. Unser schwer
bepackter Wagen erregte Aufsehen. Die Bauern drangen
zwar ungestüm auf uns ein, indessen erkundigten sie sich
bloß um die Lage der Dinge. Wir sagten ihnen, was wir
vorteilhaftes wußten, … So kamen wir auch noch von Zirl
ohne Hindernis weiter. Allein kaum hatten wir etwas mehr
als den halben Weg von Zirl bis Plattele zurückgelegt,
kam uns ein Postknecht im vollsten Galopp nachgeritten
und schrie unserm Kutscher zu: „Halt! die Kutscha muß
den Augenblick z’ruck!“ – „Warum zurück?“ fragte ich
ihn. – „Es ist a Baura Staffeta vo Spruk aucha kema, und
die hat g’sät, ma soll enk den Augablick nachsetza und
z’ruck lifera“, erwiderte er mir. Unser Postillion
wollte auch wirklich die Kutsche schon umkehren; ich kam
mit ihm in einen heftigen Wortwechsel. Es würde aber
alles nichts genützt haben, wenn nicht ein gewisser Herr
von Aigner von Telfs von ungefähr dazugekommen und den
Kerl bewogen hätte, wenigst. bis auf die nächste Post
Plattele zu fahren.
Kaum war ich dort ausgestiegen, nahm ich gleich eine
Postchaise und ließ mich von dem nämlichen Postillion
wieder nach Zirl zurückführen. Zuvor gab ich aber dem
Herrn Baron von Mont mein königlich-bayerisches
Anstellungsdiplom und alle meine Briefe, die ich vom
königlich-bayerischen Minister zu Rom bei mir hatte …
Nun so des besten Erfolgs ganz gewiß, trat ich, ohne
Zeit zu versäumen, meine Rückreise an. Dem Postillion
zeugte und versprach ich einen ganzen Taler Trinkgeld.
(Erinnerungen Daney, S. 43-45)
Die Schwierigkeiten setzten sich jedoch
fort. Die Reisegesellschaft wurde noch einige Male
aufgehalten und musste Hilfe in Anspruch nehmen, um an
ihr Ziel Meran zu kommen.
Ellinor
Forster
Quellen und Literatur
- Mercedes Blaas (Hg.), Der Aufstand der
Tiroler gegen die bayerische Regierung 1809 nach den
Aufzeichnungen des Zeitgenossen Josef Daney (Schlern-Schriften
328), Innsbruck 2005.
|