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Für viele Familien
bedeutete das Jahr 1809 wohl ein Jahr des Verlusts, sei
es an Eigentum oder Leben, für manche war 1809
vielleicht ein Jahr der Freude, sei es aufgrund der
eigenen Hochzeit (siehe Beitrag
Leben abseits des Aufstandes)
und für manche stand das Jahr 1809 am Anfang eines
völlig neuen und unerwarteten Lebensabschnitts. Als
Beispiel für letzteres steht hier nun eine knappe Skizze
des Lebens von Simon Franz Rieder (siehe ergänzend dazu
den Beitrag zu dessen Vater,
Simon Thaddäus Rieder).

Simon Franz Rieder kam
am 1. Dezember 1786 als ältestes von insgesamt vier
Kindern von Maria Rieder, geborene Mayr und Simon
Thaddäus Rieder in der Südtiroler Gemeinde Feldthurns
zur Welt. Bei den Kämpfen des Jahres 1809 war Rieder
gemeinsam mit den Feldthurner Schützen siebenmal im
Einsatz, etwa auch bei den Gefechten am Bergisel im Mai.
Von 8. bis 25. Oktober führte Rieder 28 Mann als
Hauptmann in die Gegend um Kufstein. Wie sein Vater,
Simon Thaddäus Rieder, wurde auch Simon Franz Ende
November 1809 von den Franzosen gesucht, konnte sich vor
den Soldaten in den Bergen um Feldthurns verstecken.
Darüber berichtet etwa 100 Jahr später die Zeitung:
Er wagte es nicht mehr, wie sein
Vater, auf den Planklhof zurückzukehren, sondern trieb
sich in den Wäldern und Gräben herum. Auch seine Leute
ließ er den Aufenthalt nicht wissen, damit sie, falls es
gefordert würde, ruhig schwören könnte, daß sie ihn
nicht wissen; sie mußten ihm nur täglich das Essen in
den sogenannten „Wöhr-Graben‘ tragen, dort holte er es
ab und brachte das leere Geschirr wieder auf den
gleichen Platz zurück. So ging es 14 Tagelang, dann
holte er nichts mehr ab. Die Seinigen meinten, er sei
jetzt gefangen, und harrten in banger Sorge auf eine
Nachricht. Endlich – nach sechs Wochen – traf diese ein,
und zwar in Form eines Briefes aus Wien.
(Neue Tiroler Stimmen, 1911, Nr. 103, 1.)
Diesem Brief zufolge
hatte Simon Franz Rieder durch Erzherzog Karl Franz, dem
Vater des späteren Kaisers Franz Joseph, Aufnahme am
Wiener Hof gefunden. Dort habe er, wie heute noch auf
einer ihm und seinem Vater zu Ehren angebrachten
Gedenktafel in Feldthurns zu lesen ist, als
„Schützenmeister“ den Kaisern von Österreich und Mexiko,
nämlich Franz Joseph und Maximilian das Schießen und
Jagen beigebracht. Ein einziges Mal noch, so erinnern
die Neuen Tiroler Stimmen (und eine heute gut
90jährige, noch in Feldthurns lebende Verwandte Simon
Rieders) sei Rieder in seine alte Heimat zurückgekehrt.
Und zwar im Gefolge Kaiser Ferdinands anlässlich der
Eröffnung der Franzensfeste im Jahr 1836. Einen Tag
besuchte er dabei seine Angehörigen, die ihn aber erst
nachdem er in der Sprache seiner Kindheit versichert
hatte, er sei der Siml aus Wien, erkannte.
Sucht man heute nach den
Spuren des Siml aus Wien, so stößt man in den
Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs tatsächlich
auf einen Simon Franz Rieder. Dieser war entgegen der in
Feldthurns überlieferten Tradition aber nicht
Schützenmeister, eine Bezeichnung, die es am Wiener Hof
nicht gab, sondern seit dem Frühjahr 1842 k.k.
Leiblakey für das erwartete Kind von Erzherzogin
Sophie und Franz Karl, dem am 15. Mai 1842 geborenen
Ludwig Victor. Wobei er für diese Stelle vom Erzherzog
persönlich ausgesucht worden war. (HHStA, OMeA, Jahrgang
1842, Nr. 496, GZ 131/3).
Als vier Jahre später
Joseph Stadler, Kammerdiener des am 15. Mai 1842
geborenen Ludwig Victor, seinen Ruhestand antritt, löst
dies eine Kettenreaktion aus, an deren Ende Simon Rieder
vom k.k. Leiblakai zum k.k. Saaltürhüter befördert wird,
da der bisherige Türhüter jetzt Kammerheizer und der
Kammerheizer neuer Kammerdiener wurde. (Vgl. HHStA, OMeA,
Protokoll Jahr 1846, Nr. 1279. Der Bestand, welcher die
dem Protokolleintrag entsprechenden Akten beinhalten
sollte, Aktenzahl 122/10, ist derzeit nicht
auffindbar.).
Aus der ebenfalls im
Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrten Todesanzeige
Simon Franz Rieders (er starb am 6. Juni 1859), geht
darüber hinaus hervor, dass der gebürtige Feldthurner im
heutigen dritten Wiener Gemeindebezirk lebte, mit seiner
Frau Barbara einen Sohn namens August Karl hatte,
welcher wiederum Vater von Magdalena, August, Theresia,
Karl und Anton Rieder war. (OMeA Jahr 1859, Einheit 723,
Aktenzahl 37/17)Das Jahr 1809 gilt als Schicksalsjahr
für das Land Tirol – und für die Familie des Simon
Rieder.
Peter Andorfer
Quellen und Literatur:
- Sigmund, J., Die beiden Landesverteidiger von 1809 in
Feldthurns, der Planklbauer Simon Rieder und dessen
gleichnamiger Sohn, in: Tiroler Stimmen, Jg. 191, Nr.
103, 1f.
Haus- Hof und Staatsarchiv (HHStA)
Bestände des OMeA
Besätnde des OStA
Tiroler Landesarchiv (TLA)
Abteilung Landesverteidigung
Standeslisten
Südtiroler Landesarchiv (SLA)
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