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Das ergibt wenigstens die
Analyse der Gefallenenlisten, wie im Beitrag vom 17.
Oktober vorgestellt. Nach diesen verloren in Meran am
16.
November 88 Tiroler ihr Leben. Zum Vergleich: Für den
13. August, also für den Tag der größten Bergisel-„Schlacht“
weisen die Gefallenenlisten gerade einmal 22 Tiroler
auf, die in und um Innsbruck getötet wurden.
Gleichzeitig war dieser 16. November auch der blutigste
Tag im Jahr 1809 – aus Sicht der Tiroler. Die Analyse
dieser Gefallenenliste (zu Problemen und Gefahren, die
eine derartige Auswertung beinhalten, siehe Andorfer,
Tote Tiroler, hier vor allem S. 61ff.) zeigt ein in
vielerlei von der klassischen Überlieferung abweichendes
Bild der Ereignisse von 1809.
Aus der Verteilung der Gefallenen nach
ihrer Herkunft und nach den Todesorten und Todestagen
zeigt sich, dass die Kämpfe des „Kriegsjahres“ 1809 nur
vereinzelt und kurz aufloderten. In den etwa 600
deutschsprachigen Gemeinden Tirols fanden in rund 400
Gemeinden, also in zwei von drei Gemeinden keinerlei
Kämpfe mit tödlichem Ausgang statt. Dagegen starben
allein in vier Orten, nämlich Innsbruck (172) Meran
(98), Bruneck (63) und Melleck (51) rund 40 Prozent
sämtlicher gefallenen Tiroler des Jahres 1809.
Von insgesamt 64 Landgerichten hatten 17
keinen einzigen Gefallenen zu beklagen, während 40
Landgerichte in den Kämpfen des Jahres 1809 weniger als
ein Prozent ihrer männlichen Bevölkerung verloren. Die
meisten Gefallenen im Verhältnis zu seiner männlichen
Bevölkerung stellte dabei das Landgericht Passeier mit
58 Getöteten. Dies entspricht einem Anteil von zwei
Prozent, gefolgt von Meran mit 114 Gefallenen oder 1,7
Prozent der Männer des Landgerichts.
Mit für Tiroler tödlichem Ausgang
gekämpft wurde im Jahr 1809 an 142 Tagen, wobei davon
allein an 19 Tagen 450 Tiroler fielen. An allen übrigen
Tagen fielen nie mehr als zehn Tiroler. Mit 223
Gefallenen war der Monat November vor dem August und
Dezember mit jeweils 126 bzw. 120 Gefallenen der
schlimmste Monat für die Tiroler.
Beinahe völlig revidiert werden muss die
Vorstellung, der Tiroler Aufstand sei hauptsächlich,
wenn nicht gar ausschließlich von Bauern getragen
worden. Vor allem dann, wenn sich mit dem Begriff des
Bauern das Bild des politisch und ökonomisch weitgehend
selbstständigen, weil Grund und Hof besitzenden,
verbindet. Stellte diese Berufsgruppe mit 386 Gefallenen
oder rund 40 Prozent zwar die meisten, aber dennoch
nicht einmal die Hälfte aller 1809 im Kampf Getöteten.
So kamen rund 30 Prozent (281) der Gefallenen des Jahres
1809 nämlich aus der Gruppe der unselbstständigen
ländlichen Arbeiter, wie beispielsweise Tagelöhner oder
Knechte. Und auch die Handwerker wie Müller, Bäcker oder
Schneider stellten mit 160 Gefallenen noch knapp 16
Prozent aller 1809 Getöteten.
Eine Frage allerdings, die auch eine
tiefgreifende Analyse der Gefallenenliste nicht
beantworten kann, ist jene nach der Gesamtzahl der
gefallenen Tiroler des Jahres 1809. Zwar nennt Hirn
schon 1909 die Zahl 969 und beruft sich dabei auf die
eben ausgewerteten Listen. Einerseits fehlen darin aber
jene Tiroler, die 1809 verwundet und oder gefangen
wurden und daran erst in späteren Jahren verstarben.
Andererseits – und dies scheint weit bedeutender – hat
ein Vergleich der Gefallenenlisten mit den Sterbebüchern
von rund 70 Pfarren Nord- und Südtirols gezeigt, dass
eben diese Listen nur rund 70 Prozent der Gefallenen,
die in den Sterbebüchern verzeichnet sind, umfassen.
Diese Abweichungen eingerechnet liegt die Gesamtzahl der
gefallenen deutschsprachigen Tiroler des Jahres 1809
zwischen 1300 und 1400.
Peter
Andorfer
Quellen und Literatur
- Peter Andorfer,
„Tote Tiroler“. Eine
rezeptionsgeschichtliche und quellenkritische
Untersuchung und Präsentation der Zahl der im Jahre 1809
gefallenen Tiroler, ungedr. Diplomarbeit, Innsbruck
2009.
- Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre
1809, Innsbruck 1909².
- Die „Gefallenenlisten“: Tiroler
Landesarchiv, Abt. Landesverteidigung 1835/36, Fasz.
257, Buchhaltungsberichte über Defensionsforderungen von
1809.
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