|
Ein Beispiel dafür ist uns dank den
Aufzeichnungen Josef Daneys überliefert, eine
Bittschrift aus Schlanders vom 9. Oktober 1809:
Hochgeehrtester Herr Herr etc.
Da ich ihnen mit meinen schlechten zeillen überlestigen
muß, indeme ich ein grosse Bitte an ihnen hawe; ich habe
durch dem Hern. Haubmann von M…. an unsern Hrn.
Oberkommandant ein Bit schrift reichen lassen von wegen
einen wein-Schanks-Bewilligung, also nemme ich meine
Zuflucht zu ihnen und bitte, sie wohlen doch ein gutes
Wort verleihen; sie wissen es alles, was ich vor dem
Vaderland und auch dem Kaiser zur Eren Gethan hawe,
sonderlich an diesen Namen-Fest, da hawe ich mich villes
kosten lassen, da sonsten kein Mensch nichts gehtan
hätte; ich bitte ihnen, nehmen sie sich meiner an und
sagen sie es dem Hrn. Oberkommandant, unsern Hrn.
Vetter, was ich gehtan hawe mit Gegen-Beifahl des
Volkes; also bitte ich ihne noch einmal, sie wissen
wohl, ich hawe halt auch vill Kinder und suche mich zu
Nerren.
Ich embfele mich und hofe auf ihre Gnad. (Blaas,
Daney, S. 208f.)
Bei dem Bittsteller handelt es sich um einen
Schneidermeister aus Schlanders, welcher anlässlich des
Namenstages von Kaiser Franz I. am 4. Oktober dessen
Bildnis desselben in sein Fenster stellte und davor
mehrere Kerzen anzündete. Für diese erbrachte Leistung
vor dem Vaderland und auch dem Kaiser zu Eren,
erbittet er sich nun eine Erlaubnis zur Weinausschank.
Peter Andorfer
Quellen und
Literatur:
- Mercedes Blaas (Hg.), Der Aufstand der
Tiroler gegen die bayerische Regierung 1809 nach den
Aufzeichnungen des Zeitgenossen Josef Daney (Schlern
Schriften 328), Innsbruck 2005. |