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In einem an den
Erzherzog adressierten Bericht, geschrieben am 23.
Oktober in Sterzing, erklärt der gebürtige Innsbrucker,
warum er diesem höchsten Befehle nicht gehorchen
kann:
Als
ich eben heute Nacht mit dem Sandwirthe zur Regulierung
des Aufgebothes, wegen Besetzung der aus Unterinthal
führenden Seitenthäler, und überhaupt wegen Versicherung
des Brenners und der Position bey Schabs in Steinach
war, erhielt ich ein Schreiben durch den Courier Planner
des Herrn … Baron Kerpen, welches mir mit dünnen Worten
den Befehl Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Johann
mich also gleich zu Höchst demselben zurück zu begeben
anzeigt.
Ich übersehe zwar die Verhältnisse der Zeit aus diesem
höchsten Befehle, allein es ist nun einmahl für mich
schon zu spät diesem Auftrage nachzukommen, indem es
(ich will nicht sagen um mein Leben) zuverlässig aber um
die Ehre und den Kredit des Hauses Oesterreich geschehen
seyn würde, wenn ich in dem gegenwärtigen Zeitpunkte das
Land verliese, ohne demselben über seine Lage und
künftige Bestimmung etwas zu sagen.
Ich bleibe also, jedoch ohne in einer öffentlichen
Eigenschaft aufzutreten, hier bis Sr. Majestät oder Se
kaiserl. Hoheit der Erzherzog Johann eine
unmittelbare mit den allerhöchsten Unterschriften
versehene Weisung, daß ich mich wegzubegeben und dem
Landes dies oder jenes zu eröffnen hätte, mir werden
zugesandt haben.
(TLMF, FB 2072).
Wer nun denkt, dass die
offene und noch dazu schriftlich festgehaltene
Befehlsverweigerung Konsequenzen nach sich ziehen würde,
irrt. In seinem Antwortschreiben betont Erzherzog Johann
die Klugheit und Umsicht, mit welcher Roschmann
gehandelt habe: Ihre beiden Zuschriften vom 23ten und
27ten Oktober sind eingetroffen. Die Art Ihres Benehmens
entspricht ganz der Klugheit und Bescheidenheit, die man
von Ihnen voraussetzte. (TLMF, FB 2072)
Die folgenden Zeilen des
Erzherzogs lassen darüber hinaus auch erkennen, wie rat-
und planlos man auf Seiten Österreichs war, wie denn mit
Tirol und den Tirolern weiter zu verfahren sei. Denn
obwohl spätestens seit dem Frieden von Schönbrunn klar
war, dass zwischen Tirol und Österreich keinerlei
Beziehungen mehr bestehen würden und Tirol Teil Bayerns
bleiben sollte, schreibt Erzherzog Johann an den
Intendanten in Tyrol. Er spricht Roschmann somit
einerseits mit seinem vom österreichischen Kaiser
verliehenen Titel an, womit zumindest formell an die
Zeit vor dem Friedensvertrag angeknüpft wird.
Andererseits hingegen weiß man in der österreichischen
Führung offenbar nicht, was dieser Intendant in Tirol
nun tun soll. Als Ausdruck eben dieser Unschlüssigkeit
muss daher der Rest des Briefes an Roschmann gelesen
werden:
Im Vertrauen auf Ihre Kenntnis und Erfahrung, die Sie
von dem so braven Lande haben, hoffet man, Sie werden
bei der für Sie so kritischen Lage, sich stets so zu
verhalten wissen, daß zugleich Ihr Biedersinn stets im
ungestörten Einklang mit jenen des guten Hofers, und der
übrigen biederen Tyroler dergestalt wirken wird, dass
die Würde unseres Kaisers auf keinen Falle gefährdet
werde.
Roschmann kam jedoch
nicht mehr in die Verlegenheit, die Zeilen des Erzherzog
interpretieren zu müssen, denn er hatte Tirol bereits
Anfang November wieder Richtung Wien verlassen; (Hirn,
Erhebung, S. 812) und zwar ganz ohne unmittelbare
mit den allerhöchsten Unterschriften versehene Weisung.
Peter Andorfer
Quellen und Literatur:
- Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck
1909.
- TLMF, FB 2072, Bericht Anton von Roschmann an
Erzherzog Johann, Sterzing, 23. Oktober 1809.
- TLMF, FB 2072, Brief Erzherzog Johann an Anton von
Roschmann, Keszthely, 6. November 1809. |