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Durch seine
kämpferischen Einsätze in der „Sachenklemme“ und auf dem
Bergisel und den Eindruck, den er dadurch hinterließ,
genoss der Pater bereits im Aufstandsjahr ein
„mythisches“ Ansehen. Ein rothaariger Kapuzinerpater,
der in seiner braunen Kutte bei Kämpfen ständig vor Ort
ist und mit erhobenem Kreuz energischen Einsatz zeigt,
ist schlussendlich keine alltägliche Erscheinung.
Jahrzehnte später (bis in die Gegenwart) festigte sich
die Darstellung Haspingers mit erhobenen Kreuz, wie er
die Tiroler zum Kampf anfeuert, wie die Abbildung zum
Beitrag (19. Jahrhundert) darstellt.

Im September 1809 rückte
der „kriegerische“ Geistliche zusammen mit Josef
Speckbacher und Anton Wallner nach Salzburg aus, um dort
den Feind zu verfolgen und strategisch wichtige Punkte
wie den Pass Lueg zu besetzen. Aus dieser Zeit ist die
umfangreichste zeitgenössische Beschreibung des
„Rotbartes“ bekannt. Johann Thurnwalder aus St.
Leonhard/Passeier, ein Schütze unter Haspinger,
beschreibt den Pater im Vorfeld der Erstürmung von Pass
Lueg (25. September) in seinen Tagebüchern tief
beeindruckt. So sei der Geistliche ein schöner,
großer Mann, strotzern von Gesundheit und Kraft. Er war
gewöhnlich in seiner Kutte zu Pferd und ritt auf seinem
Fuchs wie ein Gespenst hin und her mit dem Rosenkranz
angethan. Er besas bei uns blindes Vertrauen, und machte
mit seinem rothen, langen Bart überall Aufsehen.
Bei einer Aufstellung
von Schützenkompanien in der Nähe des Pass Lueg gab
Haspinger nach einer kurzen Predigt die Absolution.
Thurnwalder schreibt darüber:
Diese Predigt, sowie seine
Generalabsolution machten einen tiefen Eindruck. Niemand
zweifelte daran, dass, sowie ihn eine Kugel hinstreckte,
er nicht das ewige Leben erhalten sollte und Rothbart
wurde mit unbeschreiblicher Begeisterung begleitet. Nach
beendigter Predigt verschwand er auf seinem Fuchs
blitzschnell; ich sah ihn nie anders als im Galopp
einhersprengen.
(Tagebücher des Johann Thurnwalder, Archiv Museum
Passeier.)
Die positive Sicht hatte
aber auch eine Kehrseite: Haspinger musste wegen seines
energischen Einsatzes und kriegerischem Handeln als
Kapuziner – die Ordensregel verbot dies – vor allem von
Josef Daney Kritik einstecken. Der Priester, der seine
Erinnerungen 1814 fertig stellte, bezeichnete Haspinger
mitunter als
Auswürfling der Menschheit (Blaas, Daney, S. 19,
Anmerkung 49.) Trotzdem überwog der positive Eindruck
von Haspingers Handeln im Aufstand von 1809. Diesen
wusste Haspinger noch Jahrzehnte später für sich zu
nutzen. In den 1840er-Jahren schrieb er in mehreren
Erinnerungsstücken, dass für ihn keine Kugel gegossen
sei. So machte er sich rückblickend auf 1809 selbst
„unsterblich“. Zu seinem „Heldenstatus“ trugen
zusätzlich sein Einsatz als Feldpater einer Wiener
Studentenkompanie im Revolutionsjahr 1848 und die
Biographie von Anton von Schallhammer (1856) bei. Auch
die Tatsache, dass der Pater ab den 1850er-Jahren in
historiographischen Werken als der Schuldige an der
(aussichtslosen) Fortsetzung des Aufstandes im Herbst
1809 und auch am darauf folgenden Unglück gesehen wurde,
kratzte zunächst nur wenig an seinem Ansehen.
Manfred
Schwarz
Quellen
und Literatur
-
Mecedes Blaas (Hrsg.), Der Aufstand der Tiroler gegen
die bayrische Regierung 1809. Nach den Aufzeichnungen
des Zeitgenossen Josef Daney (Schlern-Schriften 328),
Innsbruck 2005.
- Fritz
Hörmann/Friederike Zaisberger (Hrsg.), Frieden -
Schützen, 1809 - 2009. Franzosenkriege im Dreiländereck
Bayern ∙ Salzburg ∙ Tirol 1792-1816, Ainring 2009.
- Anton von
Schallhammer: Biographie des Tiroler Heldenpriesters
Joachim Haspinger, Salzburg 1856. - Manfred
Schwarz/Benedikt Burger (Hrsg.), (Pater) Joachim
Haspinger. Der kriegerische Kapuziner 1809 und der
heimatferne Weltgeistliche, Brixen 2009. |