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Will man diesen und anderen Autoren
glauben, so forderte kein anderes Gefecht im ganzen
Kriegsjahr 1809 mehr Opfer auf Seiten der Tiroler als
eben jenes – heute weitgehend vergessene – um den
kleinen bayerischen Weiler Melleck mit eben 300 toten
und 400 gefallenen Tirolern. Doch wie zuverlässig sind
eben zitierte Angaben zur Anzahl der Gefallenen?
Untersucht man die Quellen dieser ersten
ereignisgeschichtlichen Gesamtdarstellungen zu „anno 9“,
so zeigt sich, dass diese Werke fast ausschließlich aus
verschiedensten Selbstzeugnissen wie Tagebüchern,
Memoiren, Erlebnisberichten und vergleichbaren Schriften
schöpften (siehe dazu auch Schennach, Revolte in der
Provinz). Gemein ist dieser Quellengattung jedoch eine
stark räumlich wie zeitlich beschränkte Perspektive. Ein
für die Erfassung aller Gefallenen der Kämpfe des Jahres
1809 distanzierter Blick kann von den Produzenten dieser
Zeugnisse aber kaum verlangt werden.
Die erste Gesamtzahl der Gefallenen
Tiroler findet sich somit wenig überraschend in Josef
Hirns „Tirols Erhebung von 1809“. Wenig überraschend
deshalb, da Hirn als erster auch Aktenmaterial aus
Tiroler, österreichischen und bayerischen Archiven für
seine Darstellung heranzog. Und so bezifferte Hirn die
Zahl der gefallenen Tiroler des Jahres 1809, ein
amtliches Verzeichnis (Hirn, Erhebung, S. 827)
zitierend, mit 969. Eben jenes Verzeichnis
veröffentlichte Hans Kramer 31 Jahre nach Hirns
„Erhebung“ in der Reihe der Schlern-Schriften unter dem
Titel „Die Gefallenen Tirols 1796-1813“ und beleuchtete
darin auch die Entstehung dieser Akten.
So war anlässlich der Errichtung der
Andreas-Hofer-Grabstätte in der Innsbrucker Hofkirche im
Tiroler Landtag die Frage aufgekommen, ob und wie den
neben Hofer anderen gefallenen Tiroler zu gedenken wäre.
Nach längeren Verhandlungen beschloss man, vorerst
einmal die Namen aller gefallener Tiroler erheben zu
lassen. Die Pfarrer wurden beauftragt, die Gefallenen
anhand ihrer Sterbebücher, sowie aus Gesprächen mit
Veteranen der „Franzosenkriege“ festzustellen und an das
jeweilige Landgericht zu melden. Die von den
Landrichtern gesammelten Daten wurden über die
Kreisämter nach Innsbruck gesandt, wo diese Listen
schließlich ausgewertet wurden. Und eben dieser
Auswertung entstammt die von Hirn genannte Zahl 969.
Dank dieses „amtlichen Verzeichnisses“
können nun aber noch mehr Fragen als nach der bloßen
Anzahl der Gefallenen beantwortet werden. Nennen die
Listen doch neben dem Namen, dem Beruf, dem Geburts- und
Wohnort des Gefallenen auch noch den Ort, die Zeit und
die Art seines Hinscheidens und erlauben so etwa
Rückschlüsse auf die geographische oder soziale Herkunft
der Gefallenen und somit auch auf die der Träger der
Erhebung von 1809 zu. Dazu mehr im Beitrag vom 16.
November.
An dieser Stelle sei abschließend noch
einmal auf das eingangs erwähnte Gefecht um Melleck und
auf die Frage, wie viele Tiroler denn nun tatsächlich an
jenem 17. Oktober 1809 ihr Leben ließen, eingegangen.
Rechnet man alle Einträge in diesen Listen zusammen, bei
denen man aufgrund des angeführten Todesorts und
Todestag davon ausgehen kann, dass die betreffenden
Person im Gefecht bei Melleck, jener „fürchterlichen
Metzelei“ getötet wurde, so kommt man auf 51 gefallene
Tiroler.
Karte "Gefallene nach Landgericht"
Grafik "Gefallene nach Sterbetag
(1809)
Peter Andorfer
Quellen und Literatur
- Peter Andorfer,
„Tote Tiroler“. Eine
rezeptionsgeschichtliche und quellenkritische
Untersuchung und Präsentation der Zahl der im Jahre 1809
gefallenen Tiroler, ungedr. Diplomarbeit, Innsbruck
2009.
- Josef Egger,
Geschichte Tirols von den ältesten Zeiten
bis in die Neuzeit, Bd. 3,2, Innsbruck 1880.
- Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre
1809, Innsbruck 1909².
- Hans Kramer,
Die Gefallenen Tirols 1796-1813 (Schlern-Schriften
47), Innsbruck 1940.
- Joseph Rapp,
Tirol im Jahre 1809, nach Urkunden
dargestellt, Innsbruck 1852.
- Martin P. Schennach,
Revolte in der Region.
Zur Tiroler Erhebung von 1809 (Veröffentlichungen des
Landesarchivs 16), Innsbruck 2009.
- Die „Gefallenenlisten“: Tiroler
Landesarchiv, Abt. Landesverteidigung 1835/36, Fasz.
257, Buchhaltungsberichte über Defensionsforderungen von
1809.
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