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Die anlässlich des
100-Jahr-Jubiläums der Erhebung von 1809 erschienen
Schriften unterschieden sich von früheren Arbeiten zu
„anno neun“ vor allem durch die konsequente Einarbeitung
von bis dahin kaum berücksichtigten Quellen. Hirn
(1848-1917) stützte seine „Erhebung“ mit Akten aus
kaiserlich-österreichischen wie aus
königlich-bayerischen Archiven, während Voltelini
(1862-1938) u. a. auf die Bestände des französischen
Außenministeriums, auf französische
Gesandtschaftsberichte sowie auf die Schreiben
Maximilians von Montgelas zurückgriff. Ihre Motivation
war ähnlich, der Schwerpunkt verschieden. So schrieb
Hirn: Der äussere Verlauf des Tiroler Aufstandes ist
unzählige Male gezeichnet, genauer gesprochen,
nachgezeichnet worden. Das meiste darin ist nur
Erzählung, nicht Forschung. Er wolle daher eine
vorurteilsfreie Geschichte des denkwürdigen
Tirolerjahres schreiben, die Pflugschar über
dieses ergiebige Ackerfeld … führen zum säkularen
Gedenken an eine grosse Zeit. (Hirn, Erhebung, S. V
u. X). In ähnlicher Weise hatte Voltelini die Absicht
aus Überlieferung und Legende die Wahrheit
herauszuschälen. (Voltelini, Geschichte des Tiroler
Aufstandes, S. VI). Neben seinem Anspruch, dass
falscher Glanz und Glitter rund um „anno neun“
zerfallen müsse, sieht er seine „Forschungen und
Beiträge“ als Ergänzung zu der unmittelbar zuvor
erschienen umfassende Darstellung des Aufstandes von
1809 eines hochverdienten vaterländischen
Geschichtschreibers [gemeint ist damit natürlich
Josef Hirn, dessen Werk er damit indirekt kritisiert,
Anm. P. A.], denn bekanntlich erlangen Bilder
erst dann plastische Deutlichkeit, wenn sie unter
verschiedenen Gesichtswinkeln gesehen werden. (Voltelini,
Geschichte des Tiroler Aufstandes, S. IX)
Voltelini verzichtet
konsequenter Weise weitgehend auf Ereignisgeschichte, v.
a. auf die Beschreibung von Kampfhandlungen, während
Hirn eben darauf den Schwerpunkt legt. In Voltelinis
Buch werden vielmehr Fragestellungen angerissen, die
erst anlässlich des 200-jährigen Gedenkens vermehrt
wieder aufgegriffen werden sollten, Fragen nach der
Legitimität der Erhebung, Einbeziehung der Sicht von
außen auf Tirol oder die Problematik der Mystifizierung,
Glorifizierung, Überhöhung und Instrumentalisierung des
Jahres 1809. Dementsprechend oft findet sich Voltelinis
„Geschichte des Tiroler Aufstandes“ auch im
Literaturverzeichnis der Beiträge des Wochenkalenders
1809-2009.
Wer aber wissen will,
wer nun für Hofer gekocht hat, wird, wie für unzählige
weitere Details, bei Hirn fündig:
Der einfache Haushalt, wie er im Sandwirtshaus Brauch
war, wurde auch in der kaiserlichen Burg fortgesetzt. Es
gab nur ein simples, aber kräftiges „Fuhrmannsmahl“. Die
Wirtin beim „Moll“ in der Hofgasse zunächst der Burg
hatte die Küche zu besorgen. Sie erwarb sich des
Oberkommandanten Zufriedenheit.
Und als Beleg, Hirn erhob ja den Anspruch zu forschen,
nicht zu erzählen, führt er dazu folgendes Dokument an:
Innspruck 1. September. Unterzeichneter hinterlasset der
Frau Mollin, Gastwirtin zu Innsbruck negst der Purg, die
ganze Zufriedenheit und das allerpöste Vergniegen,
… (Hirn, Erhebung, S. 636).
Peter Andorfer
Quellen und Literatur:
- Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck
1909.
- Martin P. Schennach, Revolte in der Region. Zur
Tiroler Erhebung von 1809 (Veröffentlichungen des
Tiroler Landesarchivs 16), Innsbruck 2009.
- Hans von Voltelini,
Forschungen und Beiträge zur Geschichte des Tiroler
Aufstandes im Jahre 1809, Gotha 1909. |