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Wenn nicht Hilfe käme, dann würde man
fruchtlose Opfer eines Versprechens werden, welches der
Hof den Tirolern gegeben, aber wie es der Feind in
seinen Proklame mit froher Zuversicht prophezeite,
niemals gehalten haben würde. In der Kriegskasse sei
seit der zweiten Hälfte Juni kein Kreuzer mehr. Die
Truppe müsse daher auf Unkosten des gänzlich erschöpften
Landes leben, dessen Eifer unter diesem Druck
notwendig stumpf werden muss. Wenn die Hilfe noch
zehn bis 14 Tage ausbleibe, würde „eine völlige
Unsicherheit des Eigentums und ein innerer Krieg
entstehen.“
Die Schriftstücke stammen aus der Feder
des Generals Buol und des Intendanten Hormayr und waren
für die Erzherzöge Karl und Johann bestimmt. Begleitet
wurden diese Informationen von einer Reihe von
Vorschlägen, wie sich das in Tirol stehende Militär
rasch aus Tirol entfernen könne. Ohne solche Hilfe an
Geld und wenigstens an etwas Munition und Getreide blieb
uns nichts anderes übrig, um nicht die Einwohner
aufzufressen und in eine grosse Räuberbande auszuarten,
als uns über Klagenfurt gegen Warasdin durchzuschlagen,
und nicht abzuwarten, bis ein starker feindlicher
Angriff durch das Inntal gegen den Brenner geschieht,
und eine andere Truppe uns auch noch den Ausweg nach
Kärnten versperrt. Als Hintergrund dieser Schreiben
vermutet Hans von Voltelini die Absicht Hormayrs und
Buols, sich möglichst ohne Gesichtsverlust aus der
ausweglosen Situation in Tirol entfernen zu können.
Doch hört man auf die Stimmen aus der
Bevölkerung, dann schien diese Charakterisierung der
Lage nicht so verfehlt. Die Lage in Tirol war Ende Juni
sehr schlecht. Es fehlte vor allem an Getreide. Die
Ernte im Inntal war größtenteils vernichtet. Einführen
ließ sich das Getreide wie üblich aus Bayern oder
Italien nicht, weil das Land an allen Seiten
abgeschnitten war.
Die Kriegsbegeisterung war nicht überall
gleich verbreitet. Der Frühmesser Eberhöfer legte sich
laut seinem späteren Bericht ins Bett und stellte sich
krank statt dem Aufruf zum Landsturm zu folgen. Zu einem
Studienkollegen meinte er: Ach wärest Du doch im
Bette geblieben … Wir ‚Hochhüte‘ taugen nicht unter die
Stürmer … Meide den Umgang mit den rebellischen Bauern,
sonst wirst Du noch ärger misshandelt. Später
schlossen sich beide offiziell den Stürmern an,
entliefen dann jedoch beide. Schon vom 3. Juni berichtet
Anton Knoflach, dass die „Landesverteidiger“ in
Innsbruck um eine Wegzehrung baten und versicherten, sie
würden nun nicht mehr ausziehen.
Ellinor
Forster
Quellen und Literatur
-
Bibliothek Ferdinandeum, F 2072, Nr. 57
u. 60, zit. nach Hans von Voltelini, Forschungen und
Beiträge zur Geschichte des Tiroler Aufstandes im Jahre
1809, Gotha 1909, 186-188.
- Hans von Voltelini, Forschungen und
Beiträge zur Geschichte des Tiroler Aufstandes im Jahre
1809, Gotha 1909.
- [Joseph von Hörmann], Interessante
Beyträge zu einer Geschichte der Ereignisse in Tyrol vom
10. April 1809 bis zum 20. Februar 1810. Gesammelt und
herausgegeben zur unterhaltenden Vergleichung mit andern
Nachrichten, Zeitungen und französischen
Armee-Tags-Berichten – nebst kurzen Anmerkungen, o. O.
1810.
- Franz Schumacher (Hg.), Anton
Knoflach’s Tagebuch über die Ereignisse in Innsbruck …
im Jahre Neun … (Anno Neun XIII), Innsbruck 1909.
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